„Intouchable“ …. oder „Ziemlich wie Freunde?“

Impuls im Februar 2012

„Querschnittsgelähmter Millionär engagiert kleinkriminellen Asylanten als Pfleger“

- so der Plot eines Filmes, der überaus erfolgreich in den Kinos läuft. Er beruht einer echten Story. Der voll pflegebedürftige Schwerbehinderte findet eine große Liebe und sein Angestellter den Weg in eine geordnete Existenz, eine Win-win-Situation. Wie ging das vor sich? … Jeder der ungleichen Partner nutzte seine Möglichkeiten. Beide waren bereit, sich auf ihr fremdes Gegenüber einzulassen. Und sie verkehrten auf Augenhöhe. Im Originaltitel von „Untouchable“ klingt ein Weiteres an: Diese Begegnung erforderte ganz gewiss einen Akt der Überwindung von Ekel, Abwehr und ängstlichen Vorbehalten. Sie erforderte eine Berührung des Unberührbaren!

Ekel, Abwehr und ängstliche Vorbehalte kennt auch Petrus, der Apostel. In einer Vision fühlt er sich aufgefordert, abscheuliches Getier, zu essen, welches vom Himmel her zu ihm kommt: „Was Gott für rein erklärt hat, erkläre du nicht für abscheulich.“

Langsam versteht Petrus: Heiliger Geist wirkt auch in einem Umfeld, das er gering schätzt und von dem er sich fern hält - der Anfang einer überaus fruchtbaren Begegnung!1)

Wie gehen wir mit dem um, was wir ablehnen oder gar verachten? Wie gehen wir mit denen um, die uns fremd sind und mit Menschen, die am Rande stehen? Bleiben sie „Intouchable“ (unberührbar) oder werden sie uns doch, ungeachtet aller Differenzen, „Ziemlich wie Freunde“, wie es der deutsche Filmtitel sagt? Zur Stunde debattiert die Schweiz ein sehr restriktives Verfahren für den Umgang mit Migranten und Asylanten. Es könnte insgesamt einen Verlust bedeuten, dieses einzuführen.

1)(Apostelgeschichte, Kapitel 10)

 

(Quelle des Bildes: : Intouchables - Trailer (Französisch) HD 720p moviepilot.de)

Ein Sprung in der Schüssel...

Impuls zur Jahreslosung 2012

Eine Schüssel mit einem Sprung verliert ihren Wert, oder wird sogar völlig untauglich, wenn sie nicht mehr dicht ist. „Der ist wohl nicht ganz dicht“, heißt es auch von Menschen, die sich unbegreiflich verhalten, die nicht oder nicht mehr richtig funktionieren. Wie eine wertlose Schüssel beiseite gestellt oder sogar weggeworfen wird, gerät unweigerlich an den Rand, wer den allgemeinen Erwartungen nicht entspricht: Kranke, Behinderte, Sonderlinge – bis dahin dass ihr Lebensrecht infrage steht. Betroffene spüren es, wenn sie keinen rechten Platz mehr haben. Sie zweifeln an sich selber und fühlen sich schwach und überflüssig.

Dabei könnte es ganz anders sein!

„Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“, sagt Gott zu Paulus, nachdem er dreimal darum gebeten hat, von seiner Beeinträchtigung frei zu werden (2. Kor.12, 7-10). Am Ort der Unzulänglichkeit wächst, was sich der Kontrolle entzieht: Ursprüngliches Leben entfaltet sich in seiner ganzen Vielfalt! Am Ort der Schwäche geschieht unwillkürlich Regeneration und Reintegration. Die zerbrochene Schüssel, die eigene Gebrochenheit – im Licht der Ewigkeit kann sie zum Radarschirm, ja zum Brennglas werden, durch das ein überirdischer Glanz hineinleuchtet in diese Welt. Unzählige Weisen, Schwachheit zu vermeiden, erscheinen nun überflüssig: Auf medizinischer Ebene könnte man PID und pränatale Diagnostik aufzählen, oder die Maßnahmen zur aktiven Sterbehilfe. Auf der zwischenmenschlichen Ebene Machtforderungen oder Repressionen, und im personalen Bereich Selbstansprüche oder Aktionismus…

Auch eine zerbrochene Schüssel ist etwas wert: Als Erinnerungsstück auf dem Fensterbrett könnte sie dazu beitragen, den Knick in der eigenen Optik zu korrigieren!

(Quelle des Bildes: : Stefanie Bahlinger - http://www.jahreslosung.eu/kuenstler-der-jahreslosungen-im-vab.php)

MERK2012.CH - Sumiswald, 17.-20. Mai 2012

Mai 2012

„Hände reichen über Grenzen“ – mit diesem Thema will die Europäische Mennonitische Regionalkonferenz MERK 2012 hoffnungsvolle Zeichen setzen gegen Aus- und Abgrenzung, im Sinn und nach dem Vorbild von Jesus Christus und entgegen den vielen Leben zerstörenden Aus- und Abgrenzungstendenzen in unserer Welt. >>>

Seminario Biblico Menonita de Colombia (SBMC)

Oktober 2011

Das SBMC wurde von der Mennonitenkirche Kolumbiens ins Leben gerufen. Das Hauptanliegen des SBMC ist die Stärkung von Gemeindenmitglieder in der Nachfolge Jesu sowie die Förderung von biblisch-theologischer und pastoraler Ausbildung von Gemeindemitgliedern und beteiligten Kirchen.

Das Angebot der SBMC besteht aus den drei Hauptprogrammen Nachfolge, Friedensschule sowie einem Theologiestudium mit Bachelorabschluss.

Die Vision des SBMC ist die Stärkung von Gemeinden und Einzelpersonen in der Nachfolge Jesu gemäss den biblischen Prinzipien des Reiches Gottes und den mennonitischen Grundsätzen von Frieden und Gewaltlosigkeit.

Die Friedensschule, welche unter anderem von der Mennonitengemeinde Bern finanziell unterstützt wird, bildet junge Leute aus Konfliktregionen in Führungs- und Kommunikationskompetenzen aus, damit sie in Dorfgemeinschaften, Gemeinden und Organisationen eine friedensvermittelnde Rolle übernehmen können.

Stradivari

Dieses Bild hängt im Eingang des SBMC in Bogotá.

 

Der Konflikt in Kolumbien

Das Land lebt seit mehr als 50 Jahren mit einem bewaffneten Konflikt, dessen Ursprung in der grossen sozialen Ungleichheit und im Kampf für Landbesitz liegt. Dieser Konflikt wird verstärkt durch die Ausbeutung der reichen Vorkommen von natürlichen Ressourcen und der enormen Biodiversität; durch die optimalen Bedingungen für die agro-industrielle Nutzung und durch riesige Infrastruktur-Projekte. Ein weiterer Faktor ist die Kontrolle des Anbaus und des Handels mit Kokain.

Es existiert eine Oligarchie, die das Land seit Jahrhunderten beherrscht und seine Hegemonie verteidigt, ohne Rücksicht auf die sozialen Kosten. Der Drogenanbau und Handel seinerseits ist attraktiv als „leicht verdientes Geld“. Er richtet grossen Schaden an, weil er das soziale Gefüge der lokalen Gemeinden zerstört. Er bedeutet Anreiz für politische Korruption auf allen Ebenen und ist die Geldquelle von bewaffneten Gruppen aller Art. Wie soll man einen Feind bezwingen, der so flexibel und attraktiv ist und internationale Verbindungen besitzt? In diesem ganzen Konflikt ist das Thema Landbesitz der Kern. Nicht nur wegen Riesenprojekten wie des Anbaus der afrikanische Palme, der die Ernährungssouveränität bedroht, sondern auch wegen Bergbau-Projekten.

Die ethnischen Minderheiten verlieren jeden Tag mehr ihren kollektiven Anspruch auf das Land, obwohl dies auf der rechtlichen Ebene unmöglich erscheint. Und sie verlieren es nicht nur wegen Zwangsvertreibungen, sondern neuerdings wegen Korruption und der Bestechung ihrer Führer. Dies ist Teil einer neuen Strategie jener finanzkräftigen Interessengruppen, die das Land für ihre wirtschaftlichen Projekte nutzen möchten.

 

Text von Bethlehem Mission Immensee in Kolumbien